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BOTOX® gegen Tinnitus (13.11.2006)

Gibt es endlich die Anti-Tinnitus Spritze? Ein kleiner Pieks und nach ein paar Tagen sind die Ohrgeräusche weg - zumindest für einige Zeit. Nur eine schöne Vorstellung? Nein, es ist mehr daran. Dieser Wunsch scheint erfüllbar zu sein.

Seit über 10 Jahren wenden wir Botulinumtoxin mit sehr großem Erfolg an, zunächst gegen zu starke Mimik(falten) und Ticks, dann aber auch gegen übermäßiges Schwitzen und sogar Migräne. Die Wirkung von Botulinumtoxin-Injektionen in der Schmerztherapie und gegen Migräne ist unbestritten und wissenschaftlich nachgewiesen. Als Symptomtherapie muß die Behandlung nach drei bis vier Monaten wiederholt werden. Später kommen in manchen Fällen die Beschwerden gar nicht wieder, weil vermutlich eine Dekonditionierung stattgefunden hat.

Es gab vorher schon vereinzelte Patienten, die im Zusammenhang mit der Linderung ihrer Migräne auch eine Verbesserungen eines gleichzeitig vorhandenen Tinnitus feststellten. Zunächst hieltn wir das für einen Zufall. Als aber dann im Jahre 2004 ein Artikel aus den USA über Botulinumtoxin gegen Tinnitus erschien (siehe Rheinische Post), haben auch wir dieses Mittel sofort bei bestimmten Patienten eingesetzt, die sich z.B. aus Zeitmangel mit der Ursachenbehandlung, der Biomentalen Therapie, nicht anfreunden konnten. Die Erfolge bei den bisher 76 Patienten waren zufriedenstellend. 54 Patienten kamen nach ca. drei bis vier Monaten zu einer Folgebehandlung und schilderten eine deutliche Verbesserung des Tinnitus, die ein bis zwei Wochen nach der Behandlung eingetreten war. Die Folgebehandlung verlief ähnlich. Bei bisher vier Patienten ist nach der dritten Folgebehandlung der Tinnitus weggegangen und bis heute weggeblieben. Weitere Untersuchungsergebnisse stehen auf Grund der Kürze der Beobachtungszeit noch aus.
Eine Verschlechterung als direkte Folge der Behandlung, wie in der amerikanischen Studie recht unklar beschrieben, wurde uns nicht gemeldet. Außerdem stehen Verschlechterungen auch ohne Therapie oder trotz Therapie an der Tagesordnung, so daß eine Abgrenzung zur Reaktion auf eine Behandlung mit Botulinumtoxin kaum möglich ist. Ob die Ärzte, die für die amerikanische Studie herangezogen wurden, genügend Erfahrungen mit Botulinumtoxin haben und wo genau, wieviel und in welcher Konzentration Botulinumtoxin injiziert wurde, ist uns auch nicht bekannt. Vermutlich unterscheiden sich deshalb auch die Untersuchungsergebnisse, die trotzdem in beiden Studien als positiv zu bewerten sind.

Stand: 27.2.2007 Die Erfolgsquote von 71% im Rahmen der Untersuchung von mittlerweile 112 Patienten konnte bestätigt werden.

Botox? das ist gleichzeitig Zauberwort und Alarmglocke. „Im Prinzip ist das ein tolles Arzneimittel”, sagt Dorothee Brakmann von der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein in Düsseldorf. Meistens werde das Nervengift Botulinumtoxin A aber mit Lifestyle und (unnötigen) Schönheits-OPs assoziiert. „Dabei ist es bei vielen Krankheitsbildern ein absoluter Segen”, erläutert Brakmann. Spasmen, der Schiefhals oder das Hängelid lassen sich mit der Injektion von Botox gut behandeln. Auch gegen übermäßiges Schwitzen im Achselbereich hilft die Spritze. Migränepatienten berichten ebenfalls von Linderung. Doch noch sind die Erfahrungen in der Kopfschmertherapie zu gering, um Botox als Kassenleistung zuzulassen.

Es muß hier darauf hingewiesen werden, daß man viel Erfahrung mit der Anwendung von Botulinumtoxin A haben muß. Außerdem muß man genau wissen,

1. wieviel Toxin
2. in welcher Konzentration und
3. an welchen Stellen am Kopf

injiziert werden muß. Dann ist das Risiko geringer als das einer Infusionstherapie, Stellatumblockade oder HBO-Behandlung und der Behandlungserfolg viel größer in Bezug auf den chronischen Tinnitus nach den vorliegenden Auswertungen selbst der amerikanischen Studie.

Die Kosten für jede Behandlung betragen zur Zeit ca. 386,20,- Euro, womit hauptsächlich die Materialkosten gedeckt werden (siehe Bundesausschuss für Ärzte). Falls nach zwei Wochen keine Besserung eingetreten sein sollte, müßte die Behandlung wiederholt werden. Eine Erstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu erwarten. Termine und Informationen unter 0211 589123.

gez.
Dr. med. Hans Greuel
Tinnitus-Hilfe e.V. Forschungs- und Therapiezentrum Düsseldorf
Kaiser-Wilhelm-Ring 37
40545 Düsseldorf-Oberkassel
Phone/Fax: 00492115580528